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Meditationen


"Auf die Mitte zu"
ist die Übertragung einer Sammlung von Lehrsprüchen aus Sanskrit-Schriften, die mehr als 4000 Jahre alt sind.
Es ist eine alte Lehre, die unzählige Male kopiert und wiederkopiert und weitergegeben wurde von Meistern zu Schülern und zu deren Schülern, so dass sie noch heute im Himalaya lebendig ist.
Es ist 4000 Jahre alt, und noch immer frisch und hochaktuell, weil es ums Jetzt geht.

Es enthält praktische Anweisungen, von solcher Essenz, 
dass jede einzelne für längere Zeit, wenn nicht für ein ganzes Leben genügt, 
um geübt und erfahren und ausgekostet zu werden.

Der Sprecher der Anweisungen ist Gott in Gestalt Shivas, und die Rolle du Zuhörenden spielt Seine Gemahlin Shakti. 
Obwohl sie alle Antworten selbst kennt, stellt sie die einleitenden Fragen zum Wohle aller, die Unterweisung wünschen und bereit sind zu hören. Shakti repräsentiert das manifestierte Universum, die Schöpfung, die Lebensenergie, auch die individuelle Seele in Männern und Frauen. 
Sie steht für die Form, während Shiva für das formlose Absolute bzw. die Leere steht.

Shakti-Devi sagt: 
Oh, Shiva, was ist deine Wirklichkeit? 
Was ist dieses wundererfüllte Universum? 
Was lässt den Samen entstehen? 
Wer bildet den Mittelpunkt des universellen Rades? 
Was ist dieses Leben außerhalb aller Form, das alle Form durchdringt? 
Wie können wir ganz darin aufgehen,
erhaben über Raum und Zeit, über Name und Beschreibung? 
Lass meine Zweifel sich erhellen.

Devi hat obwohl sie bereits erleuchtet ist, die vorhergehenden Fragen gestellt,
auf dass andere innerhalb des Universums Shivas Belehrungen empfangen können. 
Nun folgt Shivas Antwort, welche die hundertzwölf Wege darlegt:


Auf die Mitte zu

1.
Strahlende(r),
diese Erfahrung
dämmert wohl zwischen zwei Atemzügen.
Nachdem der Atem hineingeströmt ist
und gerade, bevor er aufsteigt -
die Wohltätigkeit.

2.
So wie der Atem von unten nach oben steigt
und als Atem von oben herniederzieht -
durch diese beiden Bewegungen
erkenne.

3.
Oder, wenn immer Einatmen und Ausatmen
sich verbinden,
so berühre in diesem Augenblick
das kraft-freie, kraft-erfüllte
Zentrum.

4.
Oder wenn der Atem ganz draußen ist
und von selbst anhält,
oder ganz drinnen ist
und anhält -
in solch einer universellen Pause verschwindet
das kleine Ich.
Dies ist nur für die Unreinen schwierig.

5.
Betrachte deine Essenz
als Lichtstrahlen,
die von Chakra zu Chakra
die Wirbelsäule hochsteigen,
und so erhebt sich das Leben in dir.

6.
Oder in den Räumen dazwischen
fühle dieses als Aufleuchten.

7.
Devi (Göttin, Deva, Gott),
imaginiere die Sanskrit-Lettern
in diesen honiggefüllten Brennpunkten des Gewahrseins,
zuerst als Buchstaben,
dann in subtiler Form als Töne.
dann als das zarteste Empfinden.
Dann,
indem du alles dieses beiseite lässt,
sei frei

8.
Die Aufmerksamkeit auf den Punkt zwischen den Augenbrauen
lässt den Geist vor dem Denken sein.
Lass die Form sich füllen mit Atem-Essenz
bis zum Scheitel des Kopfes
und dort als Licht versprühen.

9.
Oder imaginiere die fünffarbigen Kreise auf dem Schwanz des Pfaus
als deine fünf Sinne
im grenzenlosen Raum.
Und nun lass ihre Schönheit darin schmelzen.
In ähnlicher Weise verfahre mit irgendeinem Punkt im Raum
oder an einer Wand -
bis der Punkt sich auflöst.
Dann wird dein Wunsch,
den du für einen anderen hegst,
erfüllt.

10.
Sieh mit geschlossenen Augen
dein inneres Wesen in seinen Einzelheiten.
Auf diese Weise sieh
deine wahre Natur.

11.
Lege deine ganze Aufmerksamkeit
in den Nerv im Zentrum des Rückgrats,
der zart ist wie ein Lotosfaden.
Auf solche Weise werde
verwandelt.

12.
Wenn du die sieben Öffnungen des Kopfes
mit deinen Händen verschließt,
so wird ein Raum zwischen deinen Augen
allumfassend,

13.
Wenn man die Augäpfel wie eine Feder berührt,
so öffnet sich das Licht zwischen ihnen
dem Herzen
und ergießt sich von dort in den Kosmos.

14.
Bade im Zentrum des Klanges
wie in dem ununterbrochenen Ton eines Wasserfalls.
Oder höre,
indem du die Finger in die Ohren steckst,
den Ton der Töne.

15.
Intoniere leise einen Ton, wie
A - U-M (OM).
Wenn der Ton in die Fülle des Klanges hinaustritt,
so tue desgleichen

16.
Zu Beginn und in der stufenweisen Läuterung
des Tones eines jeden Buchstabens
werde gewahr.

17.
Wenn du Saiteninstrumenten lauschest,
so höre ihren zusammengesetzten zentralen Ton;
auf diese Weise sei
allgegenwärtig.

18.
Intoniere einen hörbaren Ton,
der nach und nach weniger hörbar wird,
so wie das Empfinden sich
in diese stille Harmonie
vertieft.

19.
Stelle dir den Geist gleichzeitig in dir und um dich herum vor,
bis das ganze Universum sich
vergeistigt.

20.
Liebenswürdige(r) Devi (Deva),
tritt ein in die ätherische Gegenwart
die alles weit über und unter deiner Form erfüllt.

21.
Gib den Stoff des Geistes in diese unaussprechliche Feinheit
im Oben, im Unten
und in deinem Herzen.

22.
Betrachte jeden Bereich deiner gegenwärtigen Form
als räumlich unbegrenzt.

23.
Fühle deine Substanz, Knochen, Fleisch und Blut,
gesättigt mit kosmischer Essenz.

24.
Denke dir deine passive Form als einen leeren Raum
mit Wänden von Haut -
leer.

25.
Gesegnete(r),
wenn die Sinne vom Herzen aufgesogen werden,
so erreiche die Mitte des Lotos.

26.
Ungeistiger Geist,
bleibe in der Mitte -
b is.

27.
Wenn du einer weltlichen Tätigkeit nachgehst,
so halte deine Aufmerksamkeit
auf den Punkt zwischen zwei Atemzügen gerichtet,
und wenn du in dieser Weise übst,
wirst du innerhalb von wenigen Tagen
neugeboren sein.

28.
Sei gerichtet auf das Feuer,
das durch deine Gestalt aufsteigt
und den Körper von den Zehen bis zur Spitze zu Asche verbrennt,
aber nicht dich.

29.
Meditiere über die unwirkliche Welt,
als verbrenne sie zu Asche,
und werde übermenschlich.

30.
Fühle, wie feine Schöpferkraft
deine Brust durchdringt
und zarte Gestaltungen annimmt.

31.
Mit unfühlbarem Atem im Zentrum der Stirn
beherrsche,
wenn dieser das Herz erreicht im Augenblick des Schlafs,
die Träume
und selbst den Tod,

32.
So wie - subjektiv gesehen - Buchstaben in Worte zusammenfließen
und Worte in Sätze,
und wie - objektiv gesehen - Kreise in Welten ausfließen
und Welten in Prinzipien,
so sollen diese schließlich sich in deinem Wesen sammeln.

33.
Anmutige(r), spiele,
dass das Universum eine leere Hülle ist,
in welcher dein Geist ohne Ende
fröhlich ist.

34.
Betrachte eine Schale,
ohne die Ränder oder das Material zu sehen.
In wenigen Augenblicken
werde gewahr.

35.
Verharre an jenem Ort,
der von endloser Räumlichkeit ist,
frei von Bäumen, Hügeln, Wohnstätten.
Von dort kommt das Ende der Bedrängnis des Geistes.

36.
Zartherzige(r),
meditiere über das Wissen und Nicht-Wissen,
über das Sein und Nicht-Sein.
Dann lass beides hinter dir,
damit du sein mögest.

37.
Schau liebevoll auf ein Ding,
geh nicht zu einem anderen Ding über.
Hier,
in der Mitte dieses Dinges -
der Segen.

38.
Fühle den Kosmos
als durchsichtige, immer-lebendige
Gegenwart.

39.
Mit äußerster Hingabe
richte dich auf die zwei Verbindungen des Atems
und wisse den Wissenden.

40.
Betrachte den erfüllten Raum
als deinen eigenen Körper der Seligkeit.

41.
Während du liebkost wirst,
süße(r) Prinz(essin),
gehe ein in die Liebkosung
als in das ewigwährende Leben.

42.
Halte die Tore der Sinne zu,
wenn du das Krabbeln einer Ameise spürst.
Dann.

43.
Beim Beginn einer sexuellen Vereinigung
sei achtsam auf das Feuer am Anfang,
und indem du dies fortsetzest,
vermeide die glühende Asche am Ende.

44.
Wenn in solch einer Umarmung
deine Sinne wie Laub geschüttelt werden,
so gelte ein in dieses Schütteln.

45.
Selbst nur in der Erinnerung an die Vereinigung,
ohne Umarmung -
die Verwandlung.

46.
Wenn du voller Freude einen lange abwesenden Freund wiedersiehst,
durchdringe diese Freude.

47.
Wenn du isst oder trinkst,
so werde der Geschmack des Essens oder des Getränks
und sei erfüllt.

48.
0 Lotosäugige(r),
süß zu Berührende(r),
wenn du singst, schaust, schmeckst,
so sei dessen gewahr,
dass du bist
und entdecke das Immerwährende.

49.
Wo immer Zufriedenheit zu finden ist,
welche Handlung es auch sein möge,
vergegenwärtige dir dies.

50.
Im Augenblick des Einschlafens,
wenn der Schlaf noch nicht gekommen ist
und die äußere Schwäche verschwindet,
an diesem Punkt
ist das Sein
geoffenbart.

51.
Im Sommer,
wenn du den ganzen Himmel in endloser Klarheit siehst,
begib dich hinein in diese Klarheit.

52.
Lege dich nieder, als seist du tot ...
Oder starre, ohne mit der Wimper zu zucken.
Oder lutsche etwas und werde das Lutschen!

53.
Ohne dich mit den Händen oder Füßen abzustützen,
sitze nur auf dem Gesäß.
Plötzlich -
die Mitte.

54.
Begib dich in eine einfache Position
und durchdringe stufenweise den Bereich zwischen den Armhöhlen
bis in den großen Frieden.

55.
Sieh,
als sei es das erste Mal,
einen Menschen
oder ein gewöhnliches Ding.

56.
Den Mund leicht geöffnet,
halte den Geist auf die Mitte der Zunge gerichtet.
Oder wenn der Atem still einströmt,
fühle den Ton HHH.

57.
Wenn du im Bett liegst oder auf einem Stuhl sitzt,
so lass dich gewichtslos werden,
jenseits des Geistes.

 

Die zweite Hälfte folgt in Bälde, doch bis dahin hast du hier schon eine Menge Material  zum Ausprobieren, Dich Spielen, Üben, Einsteigen...

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