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Paulo Coelho 

aus Handbuch des Kriegers des Lichts


Wenn jemand etwas ganz fest will, 
dann setzt sich das ganze Universum dafür ein, dass er es erreicht. 
Der Krieger weiß das.

Aus diesem Grund ist er immer sehr vorsichtig mit dem, was er denkt. 
Oft verbergen sich unter guten Absichten Gefühle, die niemand
sich selber einzugestehen wagt: 
Rache, Selbstzerstörung, Schuld, Angst vor dem Sieg, Schadenfreude.

Das Universum richtet nicht: 
Es setzt sich dafür ein, dass wir erreichen, was wir wollen.
So bekommt der Krieger den Mut, 
die Schattenseiten seiner Seele zu erforschen und nachzuschauen, 
ob er nichts Falsches für sich erbittet.

Und er ist immer sehr vorsichtig mit dem, was er denkt.


Es gibt zwei Arten zu beten.

Bei der ersten bittet man, 
dass bestimmte Dinge geschehen mögen, und versucht dabei, 
Gott zu sagen, was Er zu tun hat. 
Dies gesteht dem Schöpfer weder Zeit noch einen Handlungsspielraum zu. 
Gott weiß sehr viel besser als jeder von uns, dass Er tun wird, was Er für richtig hält. 
Und in demjenigen, der so gebetet hat, bleibt das Gefühl zurück, 
nicht erhört worden zu sein.

Bei der zweiten Art des Betens 
überlässt sich der Mensch Gottes Ratschluss, 
ohne die Wege des Höchsten zu kennen. 
Er bittet darum, vom Leid verschont zu werden, 
bittet um Freude beim Guten Kampf, 
aber er vergisst nie zu sagen: 
»Dein Wille geschehe.«

Der Krieger des Lichts betet auf die zweite Art.


Jeder Krieger weiß, 
dass in allen Sprachen die wichtigsten Worte die kleinen Worte sind.
Ja. Liebe. Gott.

Es sind Worte, 
die sich leicht sagen lassen und die riesige leere Räume füllen.
Dennoch gibt es ein Wort, das ebenfalls klein ist, 
das viele Menschen aber nur schwer aussprechen können: 
nein.

Wer niemals nein sagt, hält sich für großzügig, verständnisvoll, wohlerzogen. 
Weil dem Nein der Ruf vorausgeht, böse, egoistisch, 
wenig spirituell zu sein.

Der Krieger geht nicht in diese Falle. 
Es gibt Augenblicke, in denen er, indem er zu anderen ja sagt, 
zu sich selber möglicherweise nein sagt.

Daher spricht er mit den Lippen nie ein Ja aus, 
wenn sein Herz nein sagt.

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