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Narada

Narada wurde einmal von Hochmut ergriffen, dass er meinte, es gäbe keinen frömmeren Menschen als ihn.
Da der Herr seine Gedanken erriet, sprach er zu ihm: "Narada gehe an jenen Ort hin; dort lebt ein großer Heiliger. 
Suche seinen Umgang. Er ist mein wahrer Jünger."
Narada ging hin und fand einen Bauern. Der erhob sich in aller Frühe, nahm seinen Pflug, ging aufs Feld hinaus und pflügte.
Narada beobachte ihn, konnte jedoch nichts anderes gewahr werden, als dass der Bauer zweimal am Tage den Namen Gottes aussprach, 
ohne sein Pflügen zu unterbrechen.
Narada dachte bei sich: "Wie kann dieser Bauer ein Heiliger sein?"
Ich sehe ihn seinen weltlichen Pflichten nachgehen, und nichts deutet bei ihm auf einen Frommen.
So ging der Weise zum Herrn zurück und sagte ihm, was er von seinem neuen Bekannten hielte.
Doch der Herr sprach: ,,Narada, nimm eine mit Öl gefüllte Schale,
mache mit ihr die Runde um die Stadt und kehre damit zurück, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten."
Narada tat wie ihm geheißen war, und als er zurückkam, fragte ihn der Herr, 
wie viele Male er bei diesem Rundgang auch seiner gedacht hätte.
,,Nicht ein einziges Mal, oh Herr, denn wie hätte ich es tun können, 
da ich meine ganze Aufmerksamkeit auf dies bis zum Rande mit Öl gefüllte Gefäß richten musste?"
Darauf der Herr: "Diese eine Schale mit Öl nahm deine Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch, 
dass du mich darüber völlig vergaßest. 
Nun sieh diesen Bauern, der sich meiner täglich zweimal erinnert,
obgleich die gewaltige Bürde seiner weltlichen Pflichten auf ihm lastet."

Quelle unbekannt